Eine gesprungene Scheibe in der Wohnungstür, im Windfang oder im Stiegenhausfenster – und das Muster gibt es nicht mehr. Das ist der häufigste Fall, mit dem Menschen zu uns kommen, und er hat drei mögliche Antworten.
Wo Ornamentglas im Wiener Altbau sitzt
Strukturiertes Gussglas war das Standardmaterial überall dort, wo Licht hindurch sollte, aber kein Blick: Wohnungseingangstüren und deren Oberlichten, Windfänge, Zimmertüren, Stiegenhausfenster, Bad- und Kabinettfenster, gelegentlich Vitrinentüren in Einbaumöbeln.
Meist ist es nicht die Scheibe allein, die zählt, sondern die Reihe: Eine Tür hat vier Felder, und drei davon sind original. Deshalb ist die erste Frage nie „welches Glas passt“, sondern „wie viel muss zusammenpassen“.
Die gängigen Muster und ihre Namen
Gesucht wird meistens nach der Nummer oder dem Musternamen. Hier die Bezeichnungen, die im Wiener Bestand tatsächlich vorkommen:
| Muster | Bild | Typisch für |
|---|---|---|
| Kathedral | fein gehämmerte, unregelmäßige Oberfläche | der Klassiker im Altbau, in Weiß und in Farben |
| Kathedral kleingehämmert | engere Hammerschlagstruktur | Türfüllungen, Oberlichten |
| Altdeutsch K | wolkig-fließende Zeichnung | Wohnungstüren, Windfänge |
| Ornament 504 | gleichmäßige feine Struktur | der am häufigsten gesuchte Nummerncode |
| Chinchilla | krause, fast textile Zeichnung | Bad, Kabinett |
| Riffel / Streifen | parallele Rillen | Stiegenhaus, Nebenräume |
| Gothik | kantige, gotisierende Struktur | repräsentative Eingänge |
| Delta, Niagara, Madera | kräftige Reliefstrukturen | häufig nicht mehr lieferbar |
Welche Muster nicht mehr produziert werden
Das ist der unangenehme Teil. Der Markt für historische Strukturgläser schrumpft seit Jahren: Hersteller stellen Linien ein, Händler verkaufen Restbestände ab, und was weg ist, kommt nicht wieder. Von den kräftigen Reliefstrukturen der Nachkriegszeit ist ein erheblicher Teil bereits ausgelaufen.
Gleichzeitig werden mehrere der klassischen Altbaumuster – Kathedral in verschiedenen Ausführungen etwa – nach wie vor gefertigt. Ob Ihr Muster zur einen oder zur anderen Gruppe gehört, lässt sich nur am konkreten Stück sagen.
Drei Wege zum Ersatz
1. Restbestand im Handel
Der einfachste Fall. Wird das Muster noch produziert oder liegt eine Resttafel beim Großhandel, ist die Sache in wenigen Tagen erledigt. Wir fragen die Bezugsquellen in Wien und Umgebung ab.
2. Altglas aus Abbrüchen
Bei ausgelaufenen Mustern führt der Weg über gebrauchtes Glas: Tafeln aus Abbrüchen und Sanierungen, die aufgehoben statt entsorgt wurden. Der Handel dafür existiert, ist aber klein – hier entscheidet Glück, nicht Geld. Es kann Wochen dauern, und manchmal wird es nichts.
3. Nachbildung per Sandstrahl
Wo nichts zu bekommen ist, lässt sich ein Muster nachbilden: Ein Motiv wird nach Vorlage in die Oberfläche gestrahlt. Das funktioniert gut bei flächigen, regelmäßigen Strukturen und schlecht bei tiefem Relief – eine gestrahlte Fläche ist matt, aber eben. Wir sagen Ihnen vorher, wie nahe das Ergebnis herankommt. Mehr dazu auf der Seite Ätzglas, Mattierung und Gravur.
Was ein Foto zeigen muss
- Frontal gegen einen hellen Hintergrund. So wird die Zeichnung sichtbar. Ein weißes Blatt hinter der Scheibe hilft.
- Schräg im Streiflicht. Erst so erkennt man die Tiefe des Reliefs – und die entscheidet, ob eine Nachbildung möglich ist.
- Mit Maßstab. Ein Lineal oder eine 2-Euro-Münze im Bild. Die Musterweite ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal.
- Das ganze Element. Damit wir sehen, wie viele Felder zusammenpassen müssen.
Wann sich der Aufwand nicht lohnt
Wir sagen es lieber vorher: Wenn ein untergeordnetes Feld in einem Nebenraum betroffen ist und das Muster nur mit langer Suche zu beschaffen wäre, ist ein ähnliches, lieferbares Glas oft die vernünftigere Entscheidung. Und wenn an einer mehrteiligen Tür ohnehin drei von vier Feldern beschädigt sind, kann ein einheitlicher neuer Satz besser aussehen als eine Mischung aus drei Mustern.
Was wir nicht tun: eine wochenlange Suche in Rechnung stellen, an deren Ende ein Glas steht, das Sie beim ersten Hinsehen als anders erkennen.
Häufige Fragen
Woher weiß ich, wie mein Muster heißt?
Meistens gar nicht – und das ist kein Problem. Schicken Sie ein Foto: einmal frontal gegen einen hellen Hintergrund, einmal schräg im Streiflicht, dazu ein Lineal oder eine Münze für den Maßstab. Anhand der Musterweite und der Struktur lässt sich in der Regel bestimmen, was es ist.
Was, wenn das Glas nicht mehr produziert wird?
Dann gibt es drei Wege: Restbestände im Handel, angekauftes Altglas aus Abbrüchen, oder eine Nachbildung per Sandstrahl. Welcher davon in Frage kommt, hängt vom Muster ab – manche lassen sich gut nachbilden, andere gar nicht.
Muss ich alle Scheiben der Tür tauschen?
Nicht zwingend, aber es ist eine Überlegung wert. Ein einzelnes Feld in einem ähnlichen, nicht gleichen Muster fällt in einer mehrteiligen Tür stärker auf als ein einheitlicher Satz in einem anderen Muster. Wir sagen Ihnen, wie groß der Unterschied im konkreten Fall ist.
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Quellen dieser Seite
- Musterübersichten und Lieferlisten der Ornamentglas-Hersteller und des Glasgroßhandels
- Bundesdenkmalamt, „Standards der Baudenkmalpflege“, 2. Auflage 2015
Glaserei Sahin