Zum Inhalt springen
Glaserei Sahin

Glaserei Sahin Vakuumglas

Vakuumglas im Wiener Kastenfenster

Dämmt wie Dreifachglas, ist so dünn wie eine einzelne Scheibe. Damit passt es in Falze, für die kein Isolierglas gemacht ist – aber nicht in jedes Fenster.

Vakuumglas löst genau das Problem, an dem im Altbau alles hängt: Es dämmt wie Dreifachglas und ist so dünn wie eine einzelne Scheibe. Damit passt es in Falze, für die kein Isolierglas gemacht ist.

Es ist nicht für jedes Fenster die richtige Antwort. Auf dieser Seite steht, was es kann, was in Österreich gemessen wurde und wo es Grenzen hat.

Wie es aufgebaut ist

Zwei Glasscheiben, dazwischen ein evakuierter Zwischenraum von etwa einem halben Millimeter. Weil es dort praktisch keine Luft gibt, kann Wärme weder durch Leitung noch durch Konvektion hindurch. Damit die Scheiben unter dem Atmosphärendruck nicht aufeinanderliegen, halten winzige Stützpunkte sie auf Abstand. Der Rand ist hermetisch verschmolzen.

Zum Vergleich: Ein Dreifach-Isolierglas erreicht ähnliche Dämmwerte, ist aber rund 36 mm dick. In den Falz eines Wiener Kastenfensterflügels geht es nicht hinein.

Was die Datenblätter sagen

ProduktGesamtdickeUg-WertSchalldämmung
FINEO 8 (AGC)7,7 mm0,7 W/m²K35 (-2,-5) dB
FINEO Acoustic11,3 mm0,7 W/m²Kbis 39 dB
Pilkington Spacia Cool6,2 mm0,9 W/m²K
Pilkington Super Spacia8,2 mm0,7 W/m²K
Herstellerangaben nach Datenblatt. Werte nach EN 674 bzw. EN ISO 10077.

Die Werte um 0,4 bis 0,5 W/m²K, die man gelegentlich liest, stammen entweder von Hybrid-Aufbauten mit 22 bis 34 mm Gesamtdicke – die im historischen Falz nichts mehr helfen – oder von Herstellern außerhalb Europas. Der realistische Wert für ein Vakuumglas, das in einen Bestandsfalz passt, ist Ug 0,7 W/m²K.

Was in Österreich gemessen wurde

Zu dieser Frage gibt es eine ungewöhnlich gute Quelle: VAMOS – „Vakuumglas-Kastenfenster: Performance-Monitoring in Sanierungsprojekten“, durchgeführt von der TU Wien gemeinsam mit der Holzforschung Austria, erschienen 2023 in der Schriftenreihe des Klimaschutzministeriums. Fünf Standorte in Österreich, fünfzehn Testfenster, rund ein Jahr Messbetrieb – jeweils in den Varianten Vakuumglas innen, Vakuumglas außen und unverändert.

Das Kernergebnis betrifft die Frage, in welchen Flügel das Glas gehört:

„Vor allem die Versionen mit VIG am Innenflügel schneiden hinsichtlich des Wärmetransports mit In-situ U-Werten um 0,6 W·m⁻²·K⁻¹ sehr gut ab. Die Ausführungen mit VIG am Außenflügel schnitten jedoch mit 1,4 / 1,6 W·m⁻²·K⁻¹ deutlich schlechter ab.“

VAMOS, TU Wien und Holzforschung Austria, Schriftenreihe 29/2023, S. 114

Also mehr als doppelt so gut, wenn das Vakuumglas innen sitzt. Die Studie erklärt den Unterschied aber nicht mit der Einbaulage allein, sondern mit Luftaustausch im Zwischenraum und einer fehlenden Dichtung am Innenflügel – und hält ausdrücklich fest:

„Grundsätzlich spricht nichts gegen eine Anwendung außen, wenn die innere Dichtebene entsprechend ausgeführt wird.“

„In beiden Fällen ist auf eine lückenlose innere Dichtebene zu achten!“

VAMOS, Schriftenreihe 29/2023, S. 121 und 127

An einem Objekt in Wien-Grinzing wurde im Februar 2021 tatsächlich sichtbares Kondensat dokumentiert – dort saß das Vakuumglas außen, eine Stockdichtung am Innenflügel fehlte, und im Randbereich ergaben sich Temperaturfaktoren um 0,3 bei einem Schwellenwert von 0,7. An allen anderen Standorten trat kein Kondensat auf. Die Studie bezeichnet Grinzing als „seltenen Ausnahmefall“.

Was das für Sie heißt

Vakuumglas ohne funktionierende Dichtung am Innenflügel ist verlorenes Geld – und im ungünstigen Fall entsteht ein Kondensatproblem, das vorher keines war. Wenn die Dichtungen fehlen, gehören sie zuerst gemacht. Das ist Tischlerarbeit, nicht unsere. Wir sagen es Ihnen bei der Besichtigung.

Was das im ganzen Fenster bedeutet

Die Werte oben gelten für das Glas allein. Ein Fenster besteht auch aus Rahmen, und der dämmt schlechter. Belegte Größenordnungen für das gesamte Kastenfenster:

ZustandU-Wert gesamtQuelle
unsaniert, beidseitig Einfachglas2,2–2,9 W/m²KMA 19 2010, MA 18 2014
mit Isolierglas im Innenflügel0,9–1,3 W/m²KMA 18 2014, MA 19 2010
mit Vakuumglas in einer Flügelebeneunter 1,1 W/m²KVAMOS 2023

Die Richtung ist eindeutig – und sie ist besser als das, was ein neues einflügeliges Isolierglasfenster in derselben Wand erreicht. Aus derselben Studie stammt eine Faustformel, die bei der Entscheidung hilft:

„Die prozentuale Reduktion des Heizwärmebedarfs durch Ertüchtigung der bestehenden Kastenfenster mit Vakuumglas in einer Flügelebene entspricht dem prozentualen Flächenanteil der Fenster an der Fassade.“

VAMOS, Schriftenreihe 29/2023, S. 20

Machen Ihre Fenster ein Fünftel der Fassadenfläche aus, ist ein Fünftel weniger Heizwärmebedarf die Größenordnung.

Was Sie sehen werden

Wir beschreiben das lieber vorher als nachher.

Die Stützpunkte sind sichtbar. Sie sitzen in einem feinen Raster über die ganze Scheibe verteilt. Aus normaler Entfernung treten sie zurück; wer davorsteht und darauf schaut, sieht ein Punktraster. Sie sind auch punktuelle Wärmebrücken – das ist im Ug-Wert bereits berücksichtigt.

Manche Systeme haben eine sichtbare Pumpstelle, an der die Luft abgesaugt wurde. Andere haben keine Evakuierungsöffnung im Sichtfeld. Wenn Ihnen das wichtig ist, sagen Sie es vorher – das entscheidet über die Produktwahl.

Die Scheibe ist klarer als eine alte. Vakuumglas ist modernes Floatglas. Wo im Kastenfenster noch historisches, leicht welliges Glas steckt, gibt es einen sichtbaren Unterschied zwischen den Ebenen. Deshalb bleibt bei uns die Außenscheibe im Regelfall die alte – sie ist das, was man von der Straße sieht. Ist eine historische Außenscheibe gebrochen, ersetzen wir sie durch Restaurierungsglas, nicht durch Floatglas.

Die technischen Grenzen

Glaseinstand

Das ist die kritische Größe. Der Randverbund eines Vakuumglases ist eine lineare Wärmebrücke und muss vom Falz überdeckt werden, sonst schlägt sich dort Wasser nieder. Das Vorgängerprojekt FIVA formuliert es so:

„konnte die Faustregel von einem erforderlichen 40 mm Glaseinstand am jeweiligen Glasrand, um Kondenswasser-Freiheit am Randverbund zu sichern, als gute Annäherung identifiziert werden. Im Zweifelsfall ist dennoch in jedem Fall eine thermische Simulation durchzuführen.“

FIVA, Schriftenreihe 47/2020, S. 71

40 mm hat ein historischer Kastenfensterfalz praktisch nie. Das ist der ehrliche Stand. Die VAMOS-Feldstudie hat Vakuumglas trotzdem in Bestandsfenster eingebaut und beschreibt die Randbedingungen selbst als „nicht ganz optimal“ – im Ergebnis kam es dennoch „kaum zu negativen Einflüssen“. Wir sagen Ihnen bei der Besichtigung, welchen Einstand Ihr Falz hergibt, und wir behaupten nicht, dass jede Einbausituation unbedenklich ist.

Kein Zuschnitt vor Ort

Der Randverbund ist verschmolzen. Jede Scheibe ist eine Maßanfertigung. Ein Maßfehler bedeutet eine neue Scheibe, keine Nacharbeit – deshalb messen wir selbst auf und arbeiten nicht nach zugesandten Maßen.

Formate und Sonderformen

Sehr kleine Sprossenfelder und sehr große Flügel fallen aus dem lieferbaren Bereich heraus. Rund, spitzbogig und segmentbogig ist nur auf Anfrage und nicht bei jedem Hersteller möglich.

Preis

Vakuumglas ist deutlich teurer als eine Einfachscheibe. Wir nennen hier bewusst keine Quadratmeterpreise – die im Netz kursierenden Zahlen stammen von Vermittlungsportalen, nicht von Herstellern, und wir geben keine Preise weiter, für die wir nicht geradestehen. Sie bekommen einen verbindlichen Preis nach dem Aufmaß.

Vakuumglas und Denkmalschutz

Steht Ihr Objekt unter Denkmalschutz, ist die Sache offen – und wir wollen sie nicht schönreden.

Das Bundesdenkmalamt schreibt in den „Standards der Baudenkmalpflege“ (2015): „Isolierverglasungen sind nur in der zweiten Fensterebene in speziell definierten Ausnahmefällen ausführbar.“ Vakuumglas kommt in dieser Publikation nicht vor – sie ist älter als die europäische Markteinführung. Ob eine Denkmalbehörde Vakuumglas als Isolierverglasung im Sinne dieser Bestimmung wertet oder als eigene Kategorie, ist damit nicht geklärt.

Was für Vakuumglas spricht, ist ein Argument des Bundesdenkmalamts selbst gegen Isolierglas:

„Kastenfenster besitzen eine hohe Lebensdauer, oftmals 100 Jahre und mehr. Bei regelmäßiger Wartung bewahren sie dabei ihre Dämmeigenschaften. Bei Thermoverglasungen kann sich hingegen die Gasfüllung verflüchtigen und die Dämmwirkung somit kontinuierlich abnehmen (über 20–30 Jahre).“

Bundesdenkmalamt, „Standards der Baudenkmalpflege“, 2015

Vakuumglas hat keine Gasfüllung. Bei einem denkmalgeschützten Objekt braucht es dennoch einen Bescheid – vor der Ausführung. Zuständig ist das Landeskonservatorat für Wien. Wir liefern die technischen Unterlagen zu; das Verfahren führen Sie. Mehr dazu auf der Seite Schutzzone und Denkmalschutz.

In einer bloßen Schutzzone ohne Denkmalschutz gilt diese Einschränkung nicht.

Wann wir Ihnen etwas anderes empfehlen

Ablauf

  1. Fotos vom Fenster von innen, vom geöffneten Innenflügel und vom Falz mit Glasleiste.
  2. Aufmaß vor Ort. Wir messen Falztiefe, Falzbreite und Scheibenmaße und beurteilen Flügel und Dichtung.
  3. Angebot mit Fabrikat, Aufbau, Ug-Wert und Preis. Ist vorher Tischlerarbeit nötig, steht das drin.
  4. Fertigung als Maßanfertigung.
  5. Einbau. Altes Glas heraus, Falz reinigen, neue Scheibe setzen, Verglasung schließen.

Häufige Fragen

Sieht man die Stützpunkte im Glas?

Ja. Sie sitzen in einem Raster von etwa zwei bis vier Zentimetern über die ganze Scheibe. Aus normaler Entfernung treten sie zurück, wer davorsteht und darauf achtet, sieht ein feines Punktraster. Wir zeigen Ihnen vor der Bestellung ein Muster.

Innen oder außen – wo gehört das Vakuumglas hin?

In den Innenflügel. Die Feldstudie der TU Wien hat dort In-situ-U-Werte um 0,6 W/m²K gemessen, am Außenflügel dagegen 1,4 bis 1,6. Die Studie führt den Unterschied auf Luftaustausch im Zwischenraum und eine fehlende innere Dichtung zurück – die Reihenfolge bleibt dieselbe: erst die Dichtung, dann das Glas.

Kann Vakuumglas vor Ort zugeschnitten werden?

Nein. Der Randverbund ist hermetisch verschmolzen, jede Scheibe ist eine Maßanfertigung. Deshalb messen wir vor der Bestellung selbst auf und arbeiten nicht nach zugesandten Maßen.

Ist Vakuumglas bei Denkmalschutz erlaubt?

Das ist offen. Die maßgebliche Publikation des Bundesdenkmalamts stammt aus 2015 und erwähnt Vakuumglas nicht – sie ist älter als die europäische Markteinführung. Ob eine Denkmalbehörde es als Isolierverglasung im Sinne dieser Bestimmung wertet, entscheidet der Bescheid im Einzelfall.

Was kostet Vakuumglas pro Quadratmeter?

Wir nennen hier keinen Quadratmeterpreis. Die im Netz kursierenden Zahlen stammen von Vermittlungsportalen, nicht von Herstellern, und der Preis hängt an Format, Anzahl und Einbausituation. Sie bekommen einen verbindlichen Preis nach dem Aufmaß.

Weiterlesen

Quellen dieser Seite

  • VAMOS – „Vakuumglas-Kastenfenster: Performance-Monitoring in Sanierungsprojekten“, TU Wien und Holzforschung Austria, BMK-Schriftenreihe 29/2023
  • FIVA – „Fensterprototypen mit integriertem Vakuumglas“, BMK-Schriftenreihe 47/2020
  • AGC/FINEO, Produktbroschüre Vakuumglas, Stand Januar 2026
  • Pilkington Spacia Range, Datenblatt
  • Magistratsabteilung 19, Folder „Wiener Kastenfenster“, 2010
  • Magistratsabteilung 18, Werkstattbericht 140, 2014
  • Bundesdenkmalamt, „Standards der Baudenkmalpflege“, 2. Auflage 2015
  • Denkmalschutzgesetz § 5 (Rechtsinformationssystem des Bundes)

Anfrage

Passt es in Ihren Falz?

Das entscheidet sich am Fenster, nicht am Katalog. Wir messen Falztiefe und Einstand und sagen Ihnen, was möglich ist – und was nicht.

Anfrage

Schreiben Sie uns

Beschreiben Sie kurz, worum es geht. Wir melden uns mit einer Einschätzung und einem Terminvorschlag – bei Altbaufenstern meist erst nach einem Blick vor Ort, weil sich Zustand und Maß aus der Ferne nicht beurteilen lassen.

Telefon oder E-Mail – eines von beidem brauchen wir, um antworten zu können.